Vorfahrt

An Kreuzungen und Einmündungen hat derjenige Vorfahrt, der von rechts kommt. Diese Regelung gilt jedoch nicht, wenn die Vorfahrt durch Verkehrszeichen (Zeichen 205 – Vorfahrt achten; 206 – Vorfahrt an der nächsten Kreuzung; 301 – Stopschild; 306 – Vorfahrtstraße) besonders geregelt ist. Diese Regelung gilt natürlich auch für den angrenzenden Radweg, also auch für Radfahrer.

Fahrzeuge, die aus einem Feld- oder Waldweg auf eine andere Straße kommen, haben ebenfalls keine Vorfahrt. Ein Radfahrer behält auf der Vorfahrtstraße auch dann sein Vorfahrtsrecht, wenn er den linken von zwei vorhandenen Radwegen nutzt, der nicht für die Gegenrichtung freigegeben ist, einen Fußgängerbereich befährt, oder auf dem Fußweg zu schnell unterwegs ist. Dies hat verschiedene Gründe: Die Vorfahrt folgt der Straße, nicht aber dem benutzten Straßenteil. Der Radweg könnte für den abbiegenden oder querenden Verkehr nicht erkennbar als linker freigegeben sein. Der Radfahrer verliert zwar nicht sein Vorfahrtsrecht, allerdings trifft ihn im Falle eines Verkehrsunfalles ein erhebliches Mitverschulden.

Die Vorfahrt ist erst dann ausgeschlossen, wenn es „deutlich erkennbar“ ausgeschlossen ist, dass Fahrzeuge zusammentreffen können, weil es an dem Recht zum Befahren der gesamten Fahrbahn in der fraglichen Richtung überhaupt mangelt.

Befährt ein Radfahrer eine Einbahnstraße in falsche Richtung, ist es umstritten, ob er sein Vorfahrtsrecht verliert. Hier wird vertreten, dass derjenige, der eine Einbahnstraße in falsche Richtung befährt, kein Vorfahrtsrecht haben kann, weil das fehlende Recht, die Straße in dieser Richtung zu befahren, bereits begrifflich ein Vorfahrtsrecht ausschließe. Demnach hat der in einer Einbahnstraße verbotswidrig von rechts Kommende keine Vorfahrt.

Andererseits wird vertreten, dass sich das Vorfahrtsrecht auf die gesamte Straßenbreite erstreckt. Dies gelte entsprechend auch für Einbahnstraßen. Ein verkehrswidriges Verhalten berühre nicht die Vorfahrtsregelung und dementsprechend auch nicht in Einbahnstraßen.

Die Rechtsprechung ist hier inkonsequent.

Ebenso unklar ist Autofahrern wie Radfahrer oft, ob die Recht-vor-links-Regel gilt, wenn der Radfahrer aus einer Richtung kommt, aus der keine Kraftfahrer kommen können, z.B. an für Radfahrer freigegebenen Einbahnstraßen und Straßen, die mit Absperrpfosten verkehrsberuhigt worden sind. In beiden Situationen gilt die Rechts-vor-links-Regel. Hier verhalten sich die Radfahrer verkehrsgerecht.


Mehr Informationen im Urteil "Vorfahrt eines Radfahrers" (pdf,  136 kb)

Zeichen 306 - Vorfahrt
Zeichen 205 - Vorfahrt gewähren
Zeichen 206 - Stopschild
Zeichen 301 - Vorfahrt an der nächsten Kreuzung