Tourenlänge: Tipps und Faustregeln

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Um es gleich vorweg zu sagen: Es gibt keine einheitlichen Angaben, welches Kind ab welchem Alter wie lange oder wie weit radeln kann. Dies ist vielmehr vom individuellen Können der Kinder abhängig zu machen. Denn Radfahren erfordert eine Kombination aus mehreren Fähigkeiten: Motorik und Koordination, Gleichgewichtssinn, Ausdauer und Konzentration. Auch auf einer noch so gut geplanten Radtour lässt es sich kaum vermeiden, dass die selbst radelnden Kinder ein paar hundert Meter im Straßenverkehr fahren müssen. Dann kommt außerdem die Kenntnis der grundlegenden Verkehrsregeln dazu und die Fähigkeit und Bereitschaft, sich verbal durch Elternzurufe steuern zu lassen. Wie weit diese Fähigkeiten beim eigenen Kind vorhanden sind, lässt sich am besten durch Radfahren im Alltag und auf kürzeren Touren in bekannter Umgebung testen. RADschlag gibt Tipps, wie Kindern auf eine spielerische Art das Radfahren beigebracht werden kann und welche Rollgeräte sich zum Einstieg lohnen.

Tipps

Eine gute Lösung, wenn Eltern unsicher sind, was sie ihren Kindern zumuten können ist ein Fahrradanhänger mit Radtransportmöglickeit für Kinder bis sieben Jahre oder eine Mitnahmestange, mit der das Kinderrad ans Elternrad gekoppelt werden kann. Beide Konstrukte bieten die Möglichkeit, das Kind in gefährlichen Situationen – zum Beispiel beim Überqueren von verkehrsreichen Straßen, beim Durchfahren von Innenstadtbereichen oder wenn das Kind müde oder unkonzentriert wird – kurzerhand „aus dem Verkehr zu ziehen“.
Wer im Alltag wenig Gelegenheit hat, Radfahrtraining mit dem Kind zu machen, kann für die ersten Touren auch ein Eltern-Kind-Tandem nutzen. Das Kind ist geschützt, kann aber trotzdem viel übers Radfahren lernen und seine Kraft einbringen.

Faustregeln

Als Faustregel kann man vorsichtig sagen, dass ein Kindergartenkind, das es gewohnt ist, kurze Alltagswege sicher mit dem Rad zu fahren, auch eine Tagestour oder sogar eine mehrtägige Tour durchhalten kann – allerdings nur in Kombination mit dem Fahrradanhänger und bei Tagesleistungen nicht über 20 Kilometer.

Ein Grundschulkind, das regelmäßig in Begleitung seiner Eltern das Rad nutzt, kann durchaus Tagesetappen zwischen 20 und 50 Kilometern selbst fahren – auch hier sollte man aber immer zur Sicherheit eine Mitnahmestange dabeihaben. Auf Radtouren ist es am besten, mit kurzen, flachen Etappen anzufangen und ab dem dritten Tag die Herausforderungen zu steigern!

Kinder ab zehn Jahren sollen sich grundsätzlich so sicher auf dem Rad bewegen können, dass sie bekannte Wege allein und auf der Fahrbahn fahren können. Auch Kraft und Ausdauer für eine längere Fahrradtour sollte in diesem Alter vorhanden sein. Wer mit Kindern hin und wieder Fußball oder Nachlaufen spielt, weiß, dass sehr viele Kinder ihren Eltern konditionell häufig überlegen sind, dieses Potenzial aber nur einsetzen, wenn sie auch Lust dazu haben. Kinder, die im Alltag nicht radeln, brauchen etwa zwei Tage bis sie richtig in Form sind. Auch für sie gilt: Mit kürzeren Etappen anfangen und dann die Herausforderungen intensivieren. 

Eine Faustregel, die sicher gilt, ist: Das Wohlbefinden des Kindes und der gesunde Menschenverstand gehen in jedem Fall vor. Lieber eine Pause mehr einbauen oder die Tagesetappe vorzeitig abbrechen, bevor das Kind überanstrengt ist. Das heißt aber nicht, dass ein bisschen Meckern oder „Kein Bock-Klagen“ direkt zum Abbruch der Tour führen sollten. Ein bisschen Streit und Verhandlungen gehören bei sportlichen Familienunternehmungen zum Programm.